Rehabilitation psychisch Kranker

Psychische Krankheiten grassieren in unserer Gesellschaft. Mittlerweile ist die Depression zur Volkskrankheit vorangeschritten und jährlich werden auch immer mehr Fälle von Angststörungen, Zwangsstörungen und Persönlichkeitsstörungen wie Schizophrenie oder Narzissmus diagnostiziert. Dazu kommen noch diejenigen, die durch Traumata wie etwa Missbrauch oder das Miterleben eines schlimmen Unfalls oder einer Gewalttat geschädigt sind. Patienten mit einer psychischen Erkrankung fällt es oft besonders schwer, das Leben wieder so aufzunehmen, wie es vorher war. Dies hängt auch damit zusammen, dass psychische Krankheiten immer noch mit einem starken Stigma belastet sind: Möglicherweise wenden sich Freunde und Familie von dem Erkrankten ab, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Das Ziel einer erfolgreichen Rehabilitation psychisch Kranker ist es also, sie nicht nur wieder an die Berufsfähigkeit heranzuführen, sondern ihnen auch den Wiedereinstieg in das soziale Leben zu erleichtern.

Grundlagen der Rehabilitation

Auch die Rehabilitation psychisch Kranker orientiert sich an dem bio-psycho-sozialen ICF-Modell, das in diesem Fall auf Menschen zugepasst wird, die an Psychosen, Neurosen, Depressionen oder sonstigen Persönlichkeitsstörungen leiden. Sie werden in einer umfassenden Rehabilitationsmaßnahme von einer Auswahl an Fachkräften betreut, die sich jeweils um einen Teilbereich der Genesung kümmern. Dazu gehört selbstverständlich der behandelnden Arzt sowie Psychiater und Gesundheits- oder Krankenpfleger. In der Regel erfolgen auch regelmäßige Sitzungen beim Psychologen, der die Behandlung durch den Psychiater ergänzt. Mens sana in corpore sano wussten schon die alten Römer, deshalb bildet auch häufig Physiotherapie einen Teil der Rehabilitation von psychisch Erkrankten. Ein Arbeitstherapeut sorgt dafür, dass dem Patienten der Wiedereintritt ins Arbeitsleben erleichtert wird und ein Sozialarbeiter nimmt sich seiner sonstigen Bedürfnisse an. Häufig bieten Rehaeinrichtungen auch spezielle Therapien an, wie etwa Begleittherapien mit Musik oder Kunst. Diese Therapien werden zwar in vielen Fällen nicht von den Krankenkassen übernommen, können aber durchaus der Genesung der Patienten zuträglich sein und sollten deshalb erwogen werden.

Psychische vs. physische Erkrankungen

Psychische Krankheiten kämpfen in Deutschland immer noch um Anerkennung – nicht nur von der Gesellschaft, sondern auch vom Gesundheits-, Bildungs- und Arbeitssystem. Denn während es Gang und Gäbe ist, sich wegen Grippe krankschreiben zu lassen, verlangt wohl kaum jemand ein Attest vom Hausarzt, wenn er einen grottenschlechten Tag hat. Selbst wenn dieser grottenschlechte Tag erster Anflug einer Depression ist. Bereits vor über vierzig Jahren erkannte eine Enquete, dass es in Deutschland um die Behandlung psychischer Krankheiten schlecht bestellt war. Dazu gehörte unter anderem auch die Nachsorge psychisch Kranker, wenn sie nach mehr oder minder überstandener Krankheit wieder an das reguläre Leben herangeführt werden sollten. Die Enquete hatte zur Folge, dass große Veränderungen in diesem Bereich angegriffen wurden. Rehabilitationsmaßnahmen im Bereich der Medizin und des Berufes wurden nicht nur als notwendig anerkannt, es wurde auch die Übernahme der Kosten für diese Leistungen durch die Krankenkassen festgelegt. Ein Lichtblick für Patienten der Psychiatrie, die bis dahin mit großen Schwierigkeiten rechnen mussten, wenn sie nach einer Erkrankung wieder in ihr altes Leben zurückfinden wollten.

Leistungsträger, Unterbringung, Antragstellung: So verläuft die psychische Reha

Je nach Versicherungsstatus gibt es unterschiedliche Säulen, die sich um die Übernahme der Rehakosten kümmern. Dazu gehören zum einen die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, aber auch die Rentenversicherung und die Arbeitsverwaltung. Vor Antritt der Reha entscheiden Ärzte, ob eine stationäre oder ambulante Behandlung am sinnvollsten ist. Der Patient stellt anschließend einen Antrag, der in der Regel durch den Kostenträger bewilligt wird. Ab diesem Zeitpunkt kann mit der Rehabilitation begonnen werden. Ähnlich wie bei der Therapie physischer Schäden ist für die Gestaltung der Rehabilitation ausschlaggebend, wie hoch die Eigenmotivation des Patienten ist und ob es eine adäquate Rehabilitationsprognose gibt.

Ziele der psychischen Reha

Nicht nur Angehörige sind manchmal aufgeschmissen, wenn es um die Verarbeitung psychischer Erkrankungen geht. Auch Erkrankte selbst haben oft mit der Diagnose zu kämpfen. Ein zentraler Punkt der Reha ist deshalb die Akzeptanz der eigenen Erkrankung bei den Patienten herbeizuführen. Zudem müssen Perspektiven aufgezeigt und ein Beruf angestrebt werden – berufliche Beschäftigung ist häufig ein maßgeblicher Faktor für psychische Gesundheit.